Guantanamo-Häftlinge treten in Hungerstreik
22. Juli 2005Um gegen ihre Haftbedingungen zu protestieren, sind 52 Häftlinge des Lagers Guantanamo Bay auf Kuba in Hungerstreik getreten. Die Gefangenen, die wegen Terror-Verdachts festgehalten werden, hätten bisher neun Mahlzeiten in Folge verweigert, teilte das US-Militär am Donnerstag (21.7.2005) mit. Über ihre Anwälte erklärten einige der Häftlinge, sie wollten ihre Frustration darüber zum Ausdruck bringen, dass sie auf unbestimmte Zeit festgehalten würden. Zudem wollten sie gegen die "unmenschlichen Bedingungen in Guantanamo" protestieren.
Unklarheit über Ausmaß des Hungerstreiks
An die Öffentlichkeit gelangte der Protest durch die Freilassung von sieben offenbar unschuldigen Guantanamo-Häftlingen Anfang der Woche. Nach ihrer Rückkehr nach Kabul berichteten zwei afghanische Männer am Mittwoch - abweichend von der Darstellung des US-Militärs - rund 180 afghanische Gefangene befänden sich seit rund zwei Wochen im Hungerstreik. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministerium sagte zunächst, ihm sei nichts von einem Hungerstreik bekannt, aber man werde der Angelegenheit nachgehen. Neben den beiden Afghanen konnten ein Jordanier, ein Sudanese und drei Männer aus Saudi-Arabien in ihre Heimatländer zurückkehren. Der Terrorverdacht gegen sie sei ausgeräumt worden, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Für 13 weitere Inhaftierte stehe die Freilassung unmittelbar bevor.
Marokkaner an Spanien übergeben
Anfang der Woche war ein marokkanischer Guantanamo-Häftling an die Behörden in Spanien überstellt worden. Der Verdächtige werde im Zusammenhang mit den Ermittlungen um die Aktivitäten der Terrororganisation El-Kaida in Spanien gesucht, hieß es am Montag vom spanischen Innenministerium. Der Mann habe Kontakt zum mutmaßlichen El-Kaida-Anführer in Spanien gehabt, der bereits in Spanien in Haft sitzt.
"Kreative" Verhörmethoden
Vergangene Woche hatte eine Anhörung des Streitkräfte-Ausschusses des US-Senats ergeben, dass in Guantanamo schon Monate vor dem Misshandlungsskandal im irakischen Militärgefängnis von Abu Ghoreib dort angewandte Verhörmethoden praktiziert wurden. Bereits in Guantanamo hatten laut Aussagen vor dem Ausschuss US-Verhörspezialisten Gefangene gezwungen, Damenunterwäsche auf dem Kopf zu tragen oder sie an Hundeleinen geführt, berichtete die "Washington Post". Andere Verdächtige seien von knurrenden Armeehunden bedroht worden. Bilder mit solchen Misshandlungen in Abu Ghoreib bei Bagdad hatten im Frühjahr 2004 weltweit Empörung ausgelöst. Militärermittler verteidigten die umstrittenen Verhörpraktiken vor dem Senat als "kreativ" und "aggressiv", sagten aber dass sie "nicht die Grenze zur Folter überschreiten." Generalmajor Geoffrey Miller, der das Gefangenenlager Guantanamo lange leitete, war dem Bericht der "Washington Post" zufolge im September 2003 in den Irak geflogen, um das Gefängnis Abu Ghoreib mit aufzubauen. Später habe er so genannte Tiger-Teams entsandt, die die Verhörspezialisten im Irak anweisen und trainieren sollten.
Abmahnung abgelehnt
Wie die Militärermittler vertritt auch ein Untersuchungsbericht der US-Armee die Auffassung, dass die Misshandlungen in dem Gefangenenlager Guantanamo Bay nicht als Folter oder als unmenschlich zu werten seien. Die Autoren des vergangene Woche bekannt gewordenen Berichts hätten aber eine förmliche Abmahnung des früheren Guantanamo-Kommandeurs Miller empfohlen, sagte ein Kongress-Mitarbeiter. Der Befehlshaber des US-Oberkommandos Süd, General Bantz Craddock, habe dies jedoch abgelehnt
Rotes Kreuz prangerte Folter an
In dem Lager werden mehr als 500 Gefangene zum Teil seit über drei Jahren ohne Anklage festgehalten. Der Umgang mit den Männern wird in aller Welt scharf kritisiert. So hatte das Internationale Komitee des Roten Kreuzes in einem internen Bericht an die US-Regierung - anders als die Armee-Untersuchung - vor einem Jahr Folter in dem Lager angeprangert. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International nannte das Lager in ihrem Jahresbericht 2005 den "Gulag unserer Zeit". (stu)