Dank Lockdown: Erfolgreiche Schatzsuche
15. Dezember 2020Seit einigen Jahren ist die Suche nach Schätzen aus der Vergangenheit für immer mehr Briten zu einem regelrechten Volkssport geworden. Stundenlang streifen sie mit ihren Metalldetektoren über Wiesen und Felder auf der Suche nach einen vergrabenen Schatz, nach Münzen oder historischen Waffen.
Während des ersten harten Lockdowns vom 22. März bis 13. Mai war die beliebte Schatzsuche mit Metalldetektoren allerdings komplett verboten, und auch beim zweiten harten Lockdown seit dem 5. November gibt es strenge Bestimmungen. Also suchen die Schatzjäger zunächst einmal in ihren eigenen Gärten und Grundstücken nach verschollenen Schätzen.
Mit erstaunlichem Erfolg: Wie das British Museum mitteilte, wurden alleine in diesem Jahr 47.000 Funde registriert. Und die meisten Funde, nämlich über 90 Prozent, wurden 2019 mit Metalldetektoren entdeckt.
Verborgene Kostbarkeiten und Kuriositäten
Unter den Fundstücken sind einige wirklich beachtliche Entdeckungen, wie der Tudor-Schatz, benannt nach einem bedeutenden Adelsgeschlecht aus dem 16. Jahrhundert.
Er umfasst 63 Goldmünzen und eine Silbermünze aus dem späten 15. bis frühen 16. Jahrhundert, die ein Gärtner in New Forest zufällig beim Unkrautjäten entdeckte.
Zum Tudor-Schatz gehören auch vier wertvolle Münzen aus der Regierungszeit Heinrichs VIII., die ungewöhnlicherweise die Initialen seiner Ehefrauen tragen - "K" für Katharina von Aragon, "A" für Anne Boleyn und "I" für Jane Seymour. Wie der schon zu damaligen Zeiten äußerst kostbare Schatz in den Garten kam, ist noch unbekannt, so das British Museum.
Völlig unklar ist auch, wie 50 südafrikanische Krügerrand-Münzen aus massivem Gold, die während des Apartheid-Regimes geprägt wurden, in einen Garten in Milton Keynes kamen und warum sie dort verbuddelt wurden.
Kurios ist auch eine mittelalterliche Siegelmatrix aus Bleilegierung, die in Dursley, Gloucestershire gefunden wurde. Das Siegel zeigt einen Bischof im Gewand mit einem Krummstab in der linken Hand. Die lateinische Inschrift identifiziert ihn als David, den Bischof von St. Andrews.
Allerdings handelt es sich bei dem Fund offenbar um eine zeitgenössische Fälschung, die vermutlich zur Beglaubigung kopierter Dokumente verwendet wurde. Denn die echten, hochwertigen Siegel wurden nicht aus Blei, sondern aus einer Kupferlegierung oder sogar aus Silber gefertigt. Hier hat also wohl jemand das falsche Siegel lieber verschwinden lassen.
Sehr sehenswert ist auch ein römischer Möbelbeschlag aus Kupferlegierung, der in Old Basing, Hampshire, gefunden wurde. Er stammt aus der Zeit um 43-200 n. Chr. und ist mit dem erstaunlich gut erhaltenen Gesicht des Gottes Oceanus verziert.
Gerahmt wird das bärtige Gesicht von Seetang. Kleine Delphine schwimmen unter jedem Ohr hinunter zum Kinn des Gottes, während schlangenartige Kreaturen auf beiden Seiten von Oceanus' Schläfen ruhen. Der Fund ist einzigartig, denn bislang wurde ein solches maritimes Motiv noch auf keiner Truhe, Tür oder einem Haushaltsgegenstand aus dieser Zeit gefunden.
Alle Funde müssen gemeldet werden
Auch wenn die Schatzsuche ein Art britischer Volkssport ist, gibt es in Großbritannien sehr klare Regeln, was als "Schatz" gilt und wie sich Schatzsucher zu verhalten haben.
Jeder Schatzsucher ist gesetzlich verpflichtet, seine Entdeckungen den örtlichen Behörden zu melden. Die organisieren dann eine ordnungsgemäße archäologische Sicherung, damit der zeitgeschichtliche Zusammenhang am Fundort nicht verloren geht.
Ein Treasure Valuation Committee bestimmt im Anschluss den Wert des Objekts und wer wie viel Anspruch auf einen Anteil an dem Fund hat. Wer sich widerrechtlich Schätze angeeignet hat oder irgendwo unbefugt eingedrungen ist, hat keinerlei Anrecht auf eine Belohnung. Zudem haben Museen immer ein Vorkaufsrecht.
Schätze allen zugängig machen
Allein für 2019 listet das British Museum 81.602 öffentliche Funde auf, ein Anstieg von über 10.000 gegenüber dem Bericht von 2018. Alle Funde werden dann vom British Museum im Portable Antiquities Scheme (PAS), einer Online-Datenbank, öffentlich zugängig gemacht. Inzwischen umfasst die PAS-Datenbank frei zugängliche Informationen zu mehr als 1.5 Millionen Objekten.
Archäologische Funde gehören nicht ins Wohnzimmerregal, zumal diese Einzelfunde nicht selten zur Entdeckung von großen, archäologisch relevanten Stätten geführt haben, wie den eisenzeitlichen Siedlungen bzw. einer römischen Streusiedlung mit zugehörigen Bestattungen in Kent oder zu einem angelsächsischen Gräberfeld in Lincolnshire.
Deshalb müssen archäologische Funde grundsätzlich und immer gemeldet werden, damit Fachleute beurteilen können, was tatsächlich gefunden wurde, aus welchem Kontext der Fund stammt und ob er archäologisch relevant ist.